Was bedeutet Intersektionalität?
Intersektionalität bedeutet, dass verschiedene Formen von Benachteiligung gleichzeitig wirken können – etwa aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Sprache, Behinderung, Religion oder sozialer Lage. Diese Merkmale beeinflussen, wie Menschen behandelt werden, welche Chancen sie haben und ob sie Diskriminierung erfahren. Intersektionalität ist die Regel, nicht die Ausnahme. Der Begriff geht auf Kimberlé Crenshaw aus der Schwarzen feministischen Bewegung zurück.
Kinder bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. Manche erleben kaum Barrieren – etwa weil sie aus wohlhabenden, akademischen Familien kommen, weiss sind, cis-geschlechtlich leben und keine Behinderung haben. Andere erfahren mehrere Nachteile gleichzeitig, zum Beispiel durch Armut, eine Lernschwierigkeit, das Tragen eines Kopftuchs oder weil sie queer sind. Weil Schulen oft von einer bestimmten «Normalität» ausgehen, erleben mehrfach benachteiligte Kinder häufiger Diskriminierung – mit Folgen für ihre psychische Gesundheit und ihre Bildungschancen.
Wie die Begriffe zusammenhängen
Intersektionalität verbindet die anderen Begriffe dieses Glossars: Klassismus, Ableismus, Rassismus und Sexismus wirken selten für sich allein – sie überschneiden und verstärken sich.
Ein Kind, dessen Eltern wenig Geld haben und nicht studiert haben, kann gleichzeitig wegen seiner finanziellen Lage und des abgewerteten Bildungshintergrunds der Eltern klassistische Erfahrungen machen – auf zwei Ebenen zugleich.
Ein Mädchen of Color mit einer Sehbehinderung kann gleichzeitig sexistische, rassistische und ableistische Erfahrungen machen.
Im Schulalltag
Mehrfachbelastungen einzelner Kinder werden häufig übersehen; stattdessen werden diese Kinder öfter kritisiert oder weniger gefördert. Dabei sind es genau sie, die besondere Aufmerksamkeit und Schutz von der Schule brauchen.
Intersektionale Pädagogik unterstützt Lehrpersonen dabei, Vielfalt zu sehen, (Mehrfach-)Diskriminierung zu erkennen und zu handeln – ohne Kinder auf einzelne Merkmale zu reduzieren.
Quellen
- Crenshaw, K. (1989): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex. University of Chicago Legal Forum, 139–167.
- Auma, M. M. & Oloff, A. (2025): Intersektionale Praxisreflexion. Berlin: ZIFG, TU Berlin.
- Emmerich, M. & Hormel, U. (2013): Heterogenität – Diversity – Intersektionalität. Wiesbaden: Springer VS.
- Walgenbach, K. (2012): Intersektionalität als Analyseperspektive. Bielefeld.