Was ist intersektionale Pädagogik?
Intersektionale Pädagogik unterstützt Lehrpersonen dabei, Vielfalt zu sehen, (Mehrfach-)Diskriminierung zu erkennen und entsprechend zu handeln. Sie gestaltet Unterricht so, dass alle Kinder gute Lern- und Entwicklungschancen haben – ohne sie auf einzelne Merkmale zu reduzieren. Sie bietet Kindern Schutz und kann auf vielen Ebenen ansetzen: bei Wissen, bei Reflexion & Diskurs, bei Repräsentation oder bei Exploration.
Damit ist sie die praktische Antwort auf Intersektionalität: Sie nimmt ernst, dass Klassismus, Ableismus, Rassismus und Sexismus zusammenwirken, und begegnet ihnen gemeinsam statt einzeln. So knüpft sie unmittelbar an die vier Flügel des Vielfalters an.
Beispiele aus dem Unterricht
Jedes Beispiel zeigt, an welchem Flügel des Vielfalters es ansetzt.
Sprache
Die Lehrperson weiss, dass Kinder verschiedene Sprachen sprechen. Sie stellt Aufgaben, die sich auf mehreren Wegen lösen lassen – mit Bildern, gestalterisch, mündlich oder schriftlich.
Familienformen
Bei Büchern und Beispielen achtet die Lehrperson darauf, dass verschiedene Familienformen vorkommen – selbstverständlich und ohne sie zu werten.
Inklusion
Ein Kind trägt ein Hörgerät. Die Lehrperson individualisiert den Unterricht, spricht langsamer, nutzt Bilder und sorgt dafür, dass alle gut folgen können.
Interessen & Fähigkeiten
In Gruppenarbeiten erhalten Kinder Aufgaben, die zu ihren Stärken passen – analytisch, kreativ, motorisch –, ohne diese Stärken bestimmten Gruppen zuzuschreiben.
Herkunft
In Bildern, Büchern und Lernmaterialien sind Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben selbstverständlich und wertschätzend dargestellt – ohne dies eigens zu thematisieren. So wird Vielfalt sichtbar.
Finanzielle Lage
Die Schule unterstützt Kinder und Erziehungsberechtigte mit finanziellen Schwierigkeiten. Die Angebote sind sichtbar, zugänglich und werden mit Selbstverständlichkeit kommuniziert.
Quellen
- IMST Gender_Diversitäten Netzwerk (2015): Intersektionale Pädagogik – intersektionale pädagogische Haltung. Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
- Auma, M. M. & Oloff, A. (2025): Intersektionale Praxisreflexion. Berlin: ZIFG, TU Berlin.
- Emmerich, M. & Hormel, U. (2013): Heterogenität – Diversity – Intersektionalität. Wiesbaden: Springer VS.