Rassismus
Rassismus bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion, Sprache oder zugeschriebenen «Kultur» schlechter behandelt werden. Ihnen werden Eigenschaften zugeschrieben, die angeblich für ihre Gruppe typisch sein sollen. Diese Zuschreibungen sind nicht natürlich, sondern gesellschaftlich hergestellt, konstruiert – sie führen dazu, dass Menschen durch Rassismuserfahrungen weniger Anerkennung und Chancen bekommen. Rassismus zeigt sich überall: in Witzen, abwertenden Kommentaren, in der Schule, in der Arbeitswelt, in Politik und Medien, sowie bei (polizeilichen) Gewalterfahrungen. Typische Beispiele in der Schule sind: Wenn BIPoC als schulisch weniger begabt gelten, hingegen als besonders sportlich oder musikalisch.
Rassismus tritt oft zusammen mit anderen Formen von Diskriminierung auf, zum Beispiel mit Sexismus, Klassismus, Queerfeindlichkeit oder Ableismus. Das Zusammenspiel nennt sich Intersektionalität und kann Nachteile für Kinder deutlich verstärken: Ein Kind of Color mit Fluchterfahrung kann zum Beispiel gleichzeitig aufgrund seiner Hautfarbe und seinen Sprachkompetenzen rassistische Erfahrungen machen; ein Mädchen of Color in finanziellen Nöten kann zum Beispiel gleichzeitig sexistische, rassistische und klassistische Erfahrungen machen.
In Schule und Alltag zeigt sich das zum Beispiel dadurch, dass Lehrpersonen Kinder unbewusst unterschiedlich bewerten etwa wegen ihres Namens, Akzents oder Aussehens. Sie haben verschiedene Erwartungen oder reagieren strenger auf bestimmtes Verhalten von Kindern of Color: Sie werden häufiger unterschätzt, weniger gefördert oder schneller als «Problem» wahrgenommen. Gleichzeitig spiegelt Unterrichtsmaterial oft vor allem weisse und eurozentrierte Perspektiven wider, während andere Lebensrealitäten kaum sichtbar sind. Das kann bei Kindern das Gefühl verstärken, nicht dazuzugehören. In ihrer extremen Form führt rassistische Diskriminierung zu sozialem Ausschluss, Armut, psychischem Stress, erhöhtem Risiko für Gewalterfahrungen und einer kürzeren Lebenserwartung.
Eine rassismussensible Pädagogik erkennt rassistische Strukturen im Alltag und begreift Rassismus als Konstrukt sowie Weisssein als unsichtbare Norm. Die Dekonstruktion, das Auflösen von Rassismus stellt das wichtigste Ziel dar. Entsprechend wird kulturelle, religiöse, sprachliche Vielfalt etc. im Klassenzimmer mit Selbstverständlichkeit sichtbar gemacht, ohne dies zu betonen oder Kinder auf Merkmale zu reduzieren. Vielfältig gestaltetes Unterrichtsmaterial, Wissensvermittlung durch Expert*innen und rassismuskritische Sprache gehören ebenfalls dazu. Genauso reflektieren Lehrpersonen ihre eigenen Erwartungen und fördern faire Beurteilungen.
Wichtig: Rassistische Vorfälle erkennen, ernst nehmen und entsprechend handeln sowie Kinder schützen.
Mehr zu rassismuskritischer Schule (Quellen):
Maisha-Maureen Auma (Hrsg.) (2022): Handbuch Rassismuskritische Bildungsarbeit. Beltz Juventa.
Rahel El-Maawi, Mani Owzar und weitere: No to Racism. Grundlagen für eine rassismuskritische Schulkultur
OECD (2015, 2018): Immigrant Students at School.
Internationale Studien zu Benachteiligung durch Herkunft.Fereidooni, K. & El, M. (2020): Rassismuskritische Didaktik.
Verlag Julius Beltz.Bundesamt für Statistik Schweiz (2023): Diskriminierung und Rassismus.
Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR): Rassismusbericht (jährlich).