Vielfalter

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Klassismus


Klassismus bedeutet, dass Menschen wegen ihrer sozialen Herkunft, ihres Bildungswegs oder ihrer finanziellen Situation schlechter behandelt werden. Oft werden Kindern bestimmte Fähigkeiten zugeschrieben, weil ihr Auftreten (Habitus) nicht zu akademischen Erwartungen passt – diese Bewertungen sind nicht natürlich, sondern von der Gesellschaft gemacht und verstärken soziale Ungleichheit. Dahinter steht die Annahme, dass Intelligenz oder Lernerfolg automatisch vom Bildungsstand oder den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen. Klassismus beschämt und erschwert gesellschaftliche Teilhabe; und verfestigt Ungleichheit über Generationen hinweg. Klassismus zeigt sich überall: bei der Berufswahl, Bildungsabschlüssen, Einkommen, in abwertenden Kommentaren, in der Schule, in Politik und Medien, sowie in der Gesundheitsversorgung und dem Zugang zu Wohnraum. In der Schule zeigt sich Klassismus zum Beispiel dann, wenn beim Übertritt nicht nur die Leistungen zählen, sondern vermutet wird, wie viel Unterstützung ein Kind zu Hause wohl bekommt.


Klassismus tritt oft zusammen mit anderen Formen von Diskriminierung auf, zum Beispiel mit Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit oder Ableismus. Das Zusammenspiel nennt sich Intersektionalität und kann Nachteile für Kinder deutlich verstärken: Ein Kind aus einer Umgebung mit wenig Geld und Bildung kann z. B. gleichzeitig wegen finanzieller Einschränkungen und wegen begrenztem Zugang zu Kultur- und Bildungsangeboten klassistisch benachteiligt sein; ein Mädchen im Rollstuhl und in finanziellen Schwierigkeiten kann gleichzeitig sexistische, ableistische und klassistische Erfahrungen machen.


In Schule und Alltag zeigt sich das zum Beispiel durch Kosten für Ausflüge oder Materialien, Kleidung, Mittagessen oder Nachhilfe; stereotype Erwartungen an Kinder, bestimmte Vorstellungen über ein „bildungsfernes“ Zuhause oder durch fehlende vielfältige Bilder in Büchern. Kinder aus weniger privilegierten Verhältnissen bekommen bei gleichen Noten nachweislich seltener Empfehlungen für weiterführende Schulen. Auch die Bewertung von Sprache, Verhalten oder Engagement kann klassistisch geprägt sein und soziale Ungleichheit verstärken. In ihrer extremen Form führt klassistische Diskriminierung zu sozialem Ausschluss, Armut, psychischem Stress, erhöhtem Risiko für Gewalterfahrungen und einer kürzeren Lebenserwartung.


Klassismuskritische Pädagogik erkennt soziale Ungleichheit als Strukturproblem und nicht als individuelles Versagen. Auch das Denkmuster, dass Erfolg allein durch individuelle Leistung, Talent und Anstrengung entstehen – wer „hart arbeitet“, soll es „schaffen“, wer es nicht schafft, hat sich „nicht genug bemüht“ – wird abgelehnt. Klassismuskritische Pädagogik baut Barrieren ab und sorgt dafür, dass alle Kinder, unabhängig von ihrem Zuhause gute Lern- und Teilhabechancen erhalten. Vielfältig gestaltetes Unterrichtsmaterial, Wissensvermittlung durch Expert*innen und klassismuskritische Sprache gehören ebenfalls dazu. Genauso reflektieren Lehrpersonen ihre eigenen Erwartungen und fördern faire Beurteilungen. 


Wichtig: Klassistische Vorfälle erkennen, ernst nehmen und entsprechend handeln sowie Kinder schützen.




Mehr zu klassismuskritischer Schule (Quellen):

  • Blank, M. (2024). Bildungsgerechtigkeit: Vorstellung und Realität. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik30(07), 1-1.

  • Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (2023): Bildungsbereicht.

  • El-Mafaalani, A. (2014). Habitus-Struktur-Sensibilität–(Wie) kann ungleichheitssensible Schulpraxis gelingen?. In Habitussensibilität: Eine neue Anforderung an professionelles Handeln (pp. 229-245). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

  • Kemper, A., & Weinbach, H. (2009). Klassismus: Eine Einführung. Münster: Unrast.

  • POHLKAMP, I. (2023). Klassismus in der politischen Geschlechterbildung. Klassismus und politische Bildung: Intersektionale Perspektiven und Reflexionen aus der Praxis, 122.